Zum Tag des Artenschutzes am 3. März – UN World Wildlife Day
Der Tag geht zurück auf einen Beschluss der UN-Generalversammlung aus dem Jahr 2013 und erinnert an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) am 3. März 1973. Der diesjährige Artenschutztag fällt mit dem 50. Geburtstag des Inkrafttretens von CITES zusammen.
Prekäre Lage
Die Überlebenssituation von Tier- und Pflanzenarten in Zeiten des sechsten globalen Massenaussterbens ist prekär. Man schätzt, dass inzwischen mehr als eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind!
„Ohne das Artenschutzübereinkommen hätte das Artensterben heute noch weitaus größere Ausmaße. Dennoch hat CITES die vom Menschen ausgelöste globale Biodiversitätskrise nur verlangsamen, aber nicht aufhalten können. Nach wie vor verschwinden unzählige Tier- und Pflanzenarten mit alarmierender Geschwindigkeit. Von vielen wissen wir nicht einmal, dass es sie überhaupt gegeben hat. Besonders in den unter extremem Umweltstress stehenden Küstengewässern bewegen wir uns für viele Arten bereits im Bereich der dunklen Biodiversität“, warnt der Biologe Ulrich Karlowski von der Deutschen Stiftung Meeresschutz.
Dunkle Biodiversität: ein globales Problem
Von dunkler Biodiversität (dark diversity/versteckter Artenvielfalt) spricht man, wenn Arten, die es in einem Lebensraum eigentlich geben sollte, dort nicht (mehr) gefunden werden können.
Sind sie bereits ausgestorben oder so selten, dass man sie mit den gängigen Beobachtungsmethoden nicht mehr finden kann?
Stark betroffen von dunkler Biodiversität sind beispielsweise fast alle der 633 anerkannten Rochenarten. Für die meisten von ihnen gibt es keine Bestandsdaten. Viele von ihnen sind wahrscheinlich bereits unbemerkt ausgestorben.
Typisches Beispiel für diese dunkle Biodiversität ist der Clown- oder Raunasen-Geigenrochen (Rhynchobatus cooki). Lebendig gesehen wurde der etwas über 80 cm große Fisch noch nie. Die Art ist nur durch einige in Südostasien auf Fischmärkten entdeckte Exemplare bekannt. Laut IUCN gab es in den vergangenen 23 Jahren nur einen einzigen Nachweis. Das war 2019.
Projekte zur Rettung der letzten ihrer Art
Die Deutsche Stiftung Meeresschutz arbeitet mit einigen Projekten unmittelbar an der unsichtbaren Grenzlinie des sechsten globalen Massenaussterbens.
- Erforschung seltener und unbekannter Rochenarten bei den Fidschi-Inseln. Darunter auch zum Vorkommen der urtümlichen Geigenrochen, die mit den Sägerochen zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Knorpelfischen zählen.
- Schaffung neuer Lebensräume für Mittelmeer-Mönchsrobben an der israelischen Küste. Die großen Robben zählen zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten europäischen Meeressäugetieren.
- Projekte zum Schutz von fünf der sieben Arten von Meeresschildkröten, darunter auch die größte Schildkrötenart, die Lederschildkröte.
Biodiversitätskrise gefährdet die Gesundheit von Milliarden von Menschen
Die vom Menschen befeuerte Biodiversitätskrise gefährdet die Ernährung und Gesundheit von Milliarden von Menschen. Zu diesem Schluss kam der Weltbiodiversitätsrat IPBES in einer im Juli 2022 vorgestellten umfangreichen Analyse zur Nutzung wild lebender Tiere und Pflanzen. Demnach nutzt der Mensch rund 50.000 verschiedene Arten für seine Zwecke. Davon allein 10.000 Arten unmittelbar zur Ernährung. Dies verdeutlicht noch einmal die Dringlichkeit des diesjährigen UN World Wildlife Day, in den Artenschutz zu investieren: um der Arten willen, aber auch um der Menschen und unseres gesamten Planeten willen!
„Es ist also in unserem ureigensten Interesse, nicht nur am internationalen Tag des Artenschutzes innezuhalten. Die hemmungslose Übernutzung natürlicher Ressourcen muss gestoppt, Schutzzonen müssen eingerichtet und die Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit konsequent vorangetrieben werden“, fordert Ulrich Karlowski.
Die Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM) ist eine Treuhandstiftung, die 2007 gegründet wurde. Ziel unserer Arbeit ist es, der Ausbeutung der Weltmeere und der Vernichtung ihrer Bewohner etwas entgegenzusetzen. In Kooperation mit engagierten Forschern und Organisationen rund um den Globus fördern und verwirklichen wir Projekte und Aktionen zum Erhalt des Lebens in den Meeren. Ermöglicht wird dies durch Spenden.
Wir sind Mitglied im europäischen Meeresschutzbündnis Seas At Risk (SAR / seas-at-risk.org), in der Deep Sea Conservation Coalition (DSCC / deep-sea-conservation.org) und sind Netzwerkpartner der UN-Dekade der Meeresforschung für nachhaltige Entwicklung (2021 – 2030) in Deutschland (Ozeandekade / ozeandekade.de).
Deutsche Stiftung Meeresschutz (DSM)
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