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Der Rothirsch – die verfressene Sau! Oder die arme Sau?
Verfressene Sau!? Was macht der Rothirsch – als verfressene Sau verunglimpft – in der Stadt? Die Plakat-Kampagne der Deutschen Wildtier Stiftung wirkt verstörend. Das Wildtier ist deplatziert, heimatlos und bietet einen traurigen Anblick. Ein so mächtiges Tier auf Asphalt, vor Graffitis, an Bahngleisen – in einem Umfeld weit weg von seinem natürlichen Lebensraum. Mit der Plakat-Kampagne will die Deutsche Wildtier Stiftung vor allem eins: Aufmerksamkeit für den Rothirsch erzeugen! „Wir sind die Stimme der Wildtiere“, sagt Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter der Abteilung Natur- und Artenschutz der Deutschen Wildtier Stiftung. „Unsere Plakate sprechen für den Rothirsch, der in seinem natürlichen Lebensraum meist unerwünscht ist.“ Die Deutsche Wildtier Stiftung will nicht,…
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Wie schläft der Maulwurf bei Vollmond?
Am 1. Oktober ist Vollmond. Für viele Menschen bedeutet das eine schlaflose Nacht. Das Licht vom Himmel stört empfindliche Schläfer. Wie aber schläft der Maulwurf, das Tier des Jahres, in einer Vollmondnacht? Ist er schlaflos in seinem Bau oder stört ihn das Licht vom Himmel ohnehin nicht? „Wie viele andere unterirdisch lebende Wildtiere hat der Maulwurf keinen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Seine Aktivitätszeit ist in drei Wach- und Schlafphasen aufgeteilt.“ Eine Schlafphase dauert höchstens vier bis fünf Stunden. „In den Wachphasen ist er aktiv; ganz gleich, ob der Vollmond scheint oder nicht.“ Trotzdem kann der Vollmond für das Tier des Jahres lebensgefährlich werden: Wenn…
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Die Apotheke der Wildtiere
Hat der Mensch eine Erkältung, holt er sich Hustensaft und Nasenspray aus der Apotheke. Wildtiere haben da ganz andere Heilmittel auf Lager – sie nutzen die Natur, um Krankheiten vorzubeugen und um gesund zu bleiben. „Wiederkäuer wie zum Beispiel Rehe fressen bei starkem Wurmbefall vermehrt Beifuß – Artemisia vulgaris – oder Rainfarn – Tanacetum vulgare“, sagt Moritz Franz-Gerstein, Artenschützer und Tierarzt bei der Deutschen Wildtier Stiftung. In beiden potentiell giftigen Pflanzen sind heilsame Wirkstoffe gegen Würmer enthalten. „Rainfarn ist auch beim Menschen als Wurmmittel bekannt, heißt regional Wurmkraut“, so Franz-Gerstein. Viele Vögel, etwa Elster und Eichelhäher, nutzen Ameisensäure um Milben los zu werden – die Säure hilft gegen die lästigen…
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Nachtfalter – Schmetterlinge der Dunkelheit
Wenn die Dämmerung einsetzt, werden Nachtfalter aktiv. Sie heißen Weinschwärmer, Blaukopf und Kätzcheneule und kommen in der Regel in schlichtem Grau-Braun mit verwaschenen Farbmustern dahergeflogen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Schönheiten der Schattenwelt. Während die farbenprächtigen Schmetterlinge am Tag zu den beliebtesten Insekten überhaupt zählen, sind ihre engsten Verwandten oft als lästige “Motten“ verschrien. „Das ist schade“, sagt Sebastian Brackhane, Projektleiter bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Denn die Gruppe der Nachtfalter ist nicht nur besonders artenreich, sondern viele der Nachtschwärmer sind leider auch bedroht.“ Von den über 3.600 heimischen Falterarten sind 95 Prozent nacht- und dämmerungsaktive Nachtfalter. Deshalb startet die Deutsche Wildtier Stiftung jetzt ein Projekt, das…
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Cool down, Wildsau
Die Hitzewelle rollt! Und wenn der Mensch schwitzt, muss er viel trinken; es heißt, zwei Liter am Tag seien bei Temperaturen über 30 Grad die Mindestration, um den Wasserhaushalt des Körpers wieder aufzufüllen. Bei Wildtieren sieht das anders aus: Wildschwein, Feldhase, Rothirsch, Igel oder Reh haben ein anderes Trinkverhalten. Die Deutsche Wildtier Stiftung stellt ihnen die Trinker im Tierreich vor. Feldhase: seine Klimaanlage sind die langen Ohren Feldhasen nutzen wie Elefanten ihre großen Ohren als Klimaanlage: Wird es sehr heiß, werden die Ohren stark durchblutet, das Blut kühlt dort ab und das spart Schweiß. Deswegen sind die Ohren auch bei Hasenarten in heißen Gegenden viel größer als bei Hasenarten in…
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Schlangen im Garten: Keine Angst vor den scheuen Sensibelchen
Schlangen sind ganz besondere Garten-Gäste; man muss es ihnen erst recht machen, damit sie zu Besuch kommen. Einer, der weiß, was die scheuen Diven sich wünschen, ist Moritz Franz-Gerstein von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Schlangen nutzen gern naturnahe Gärten“, sagt er. „Wer heimischen Schlangen im Garten Lebensraum bietet, leistet einen wertvollen Beitrag für Biodiversität und Artenschutz.“ Juli und August sind gute Monate, um einer Schlange zu begegnen. Das kann eine schwarzgefleckte Ringelnatter (Natrix n. natrix) sein, mit hellem Bauch und gelben Kopfflecken. Die eng verwandte Barren-Ringelnatter (Natrix n. helvetiva) wurde erst vor drei Jahren als eigene Art klassifiziert. „Sie ist in Deutschland sehr selten und nur im Westen Deutschlands zu…
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Wildkatzen-Mutter verteidigt ihre Jungen gegen einen Wolf
Aufs Äußerste erregt peitscht die Wildkatze mit ihrem aufgeplusterten Schwanz hin und her. Das Fell ist aufgestellt, die Ohren sind nach vorne gerichtet. Immer wieder macht sie drohend einen Buckel und faucht, während sie in der Nacht auf einem Baumstamm angespannt hin und her läuft. Sie hat Nachwuchs und im Hintergrund lauert ein überlegener Gegner: Es ist ein Wolf. Man sieht nur seine Augen. „Die Aufnahmen unserer Wildkamera sind eine kleine Sensation“, sagt Malte Götz, Wildkatzenexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die Bereitschaft einer Wildkatze sich für ihre Jungen sogar dem Wolf zu stellen, wurden zum ersten Mal dokumentiert.“ Unter dem Link https://youtu.be/3XGaynO60MQ können Sie verfolgen, wie das mutige Tier aufs…
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Feldhamster weltweit vom Aussterben bedroht
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) dokumentiert es schwarz auf weiß: Der Feldhamster (Cricetus cricetus) ist weltweit vom Aussterben bedroht. „Das muss jetzt für alle Länder mit noch vorhandenen Feldhamsterpopulationen ein Weckruf sein“, sagt Christian Kemnade, Artenschützer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Uns war klar, dass sich in den nächsten Jahren entscheidet, ob wir die Art in Deutschland retten können. Aber wir hatten gehofft, dass wenigstens in Osteuropa noch einige stabile Populationen existieren.“ Feldhamster aufzuspüren ist sehr schwierig. Selbst in Deutschland bedeutet das Kartieren von Feldhamsterbauen für Artenschützer einen großen Aufwand. „In unserem bundesweiten Schutzprojekt Feldhamsterland gehen wir systematisch mit Freiwilligen über die oft riesigen Ackerschläge und dokumentieren die Feldhamsterbaue“, erklärt Christian Kemnade. „Der…
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Ein kleines Huhn hofft auf die große Politik
Frau Merkel kann das Rebhuhn retten; seit dem 1. Juli hat Deutschland die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union inne. Das heißt: Der Erfolg des „European Green Deal“ und einer ehrgeizigen Biodiversitätsstrategie 2030 liegen zu einem guten Stück auch in deutscher Hand. Artenschützer sind gespannt, denn: „In der Umweltpolitik ist gerade die Zeit der großen Worte und Versprechen“, sagt Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur- und Artenschutz der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wir hoffen sehr, dass am Ende nicht nur heiße Luft produziert wird, denn es geht um das Überleben unzähliger Arten, vor allem Insekten und Feldvögel.“ Ein markantes Beispiel für den Niedergang der Artenvielfalt in unseren Feldfluren ist das Rebhuhn. Intensive Landwirtschaft…
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Check out im Hotel Wildbiene
Im Hotel Wildbiene herrscht gerade Betriebsamkeit: Viele Einzelzimmer werden jetzt auf einen Schlag frei. Rund zwölf Monate lang haben die jungen Wildbienen in winzigen Brutzellen dicht an dicht im Wildbienen-Hotel gelegen. „Jetzt sind sie flügge und verlassen ihr Grand Hotel“, sagt Manuel Pützstück, Natur- und Artenschützer der Deutschen Wildtier Stiftung. Mit dem Auszug aus dem Wildbienen-Hotel beginnt der Jahreskreislauf der Insekten von vorne. „Die jungen Bienen müssen viel futtern und sich vermehren“, sagt Manuel Pützstück. Auf dem Speiseplan stehen Nektar und Pollen der blühenden Sommerblumen bereit: Sommerwicke, Natternkopf, Malve und Küchenkräuter wie Basilikum, Rosmarin, Thymian, Salbei und Lavendel locken sie an. Auch die duftenden Obstbaumblüten sind ein Anziehungsmagnet. Die jungen…